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Wahl der richtigen Kletter­pflanze

Damit Kletterpflanzen langfristig gesund wachsen und ihre ökologischen Leistungen erbringen können, ist eine durchdachte Pflanzenauswahl entscheidend. Vor der konkreten Artenwahl sollten immer Begrünungsziel, Bausubstanz, Standortbedingungen, sowie die Wahl der passenden Kletterhilfe durch Fachplanerinnen und Fachplaner (Landschaftsarchitektur, Gartengestaltung) geklärt werden.

Jeder Standort weist spezifische Bedingungen in Bezug auf Lichtverhältnisse, Temperatur sowie den verfügbaren Wurzelraum auf. Nicht jede Kletterpflanze kommt mit allen Gegebenheiten gleichermaßen gut zurecht, da jede Art über eine individuelle ökologische Toleranzspanne verfügt. Gerade in dicht bebauten und stark versiegelten Bereichen spielen Hitze, Trockenstress und Wind eine große Rolle, während in straßennahen Pflanzsituationen zusätzlich Belastungen durch Streusalz und Bodenverdichtungen auftreten können. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Empfehlungen je nach Region und Bundesland unterschiedlich ausfallen können, weil Stadtklima, Höhenlage und lokale Rahmenbedingungen die Eignung und Winterhärte deutlich beeinflussen. Für eine fachgerechte Beurteilung und zur Vermeidung von Schäden an Bauwerken oder Vegetation ist es sinnvoll, eine qualifizierte Fachplanung einzubinden.

Kletterpflanzen brauchen ausreichend Wurzelraum, um ihre maximale Wuchshöhe erreichen zu können. Wenn die Pflanze in einem Trog wächst, hängt das erforderliche Volumen von der Zielhöhe ab. Für Kletterpflanzen, die höher als 5 Meter werden sollen, sind mindestens 250 Liter Wurzelraum pro Pflanze im Trog erforderlich, während bei Pflanzen unter 5 Metern Wuchshöhe in der Regel ein Trogsystem mit mindestens 100 Litern pro Pflanze ausreicht. Bodengebunden ist ein Wurzelraum vom 500 L pro Pflanze nötig. Maßgeblich sind dabei die Anforderungen der ÖNORM L 1136 sowie die standort- und systembezogene Planung nach dem Stand der Technik. Flachplaner beraten zu passenden Pflanzgefäßen und Substraten.

Das Substrat, in dem die Pflanze steht, sollte dauerhaft strukturstabil bleiben und zu den Anforderungen der jeweiligen Pflanzenart passen. Gerade im Straßenraum müssen bei bodengebundenen Kletterpflanzen zusätzliche Belastungen wie Streusalz, Bodenverdichtungen und generell mitgedacht werden. Wenn das bestehende Substratungünstig ist, müssen Bodenverbesserungsmaßnahmen vorgesehen werden, damit Wasser- und Luftversorgung im Wurzelraum gesichert sind oder das Pflanzsubstrat ausgetauscht werden. Für Pflanztröge wird Dachbegrünungssubstrat gemäß ÖNORM L 1131 empfohlen, weil es strukturstabil bleibt und sich in größeren Gefäßen weniger leicht verdichtet als klassische Erde. Es verfügt über bessere Wasserspeicherfähigkeit und ist gelichzeitig durchlässig und schafft einen optimalen Luftaustausch. Ein Pflanztrog braucht eine funktionierende Entwässerung, um Staunässe im Wurzelraum zu vermeiden

Gute Startvoraussetzungen werden durch einen schadfreien Transport sowie eine fachgerechte Pflanzung und stabile Führung der Kletterpflanze geschaffen. Entscheidend ist, dass der Wurzelballen beim Transport nicht austrocknet und dass die Pflanze am Standort so gesetzt wird, dass Wurzelraum, Substrat und Wasserhaushalt zu Art und geplanter Wuchshöhe passen. Nach der Pflanzung muss die Kletterpflanze so angebunden werden, dass die Triebe sicher geführt werden können, ohne eingeschnürt oder beschädigt zu werden, und dass die vorgesehene Kletterhilfe von Beginn an genutzt werden kann. Für eine nachhaltige Entwicklung ist in den darauffolgenden Jahren eine konsequente Pflege erforderlich, weil sich Vitalität, Wuchsleistung und Stabilität in dieser Phase wesentlich aufbauen.

Wenn Kletterpflanzen an der Fassade wenig natürlichen Niederschlag erhalten, müssen sie insbesondere in der Anwuchsphase zuverlässig und ausreichend bewässert werden. Das gilt in besonderem Maß für Pflanzungen in Trögen, weil das verfügbare Wasservolumen dort begrenzt ist und Substrate bei Hitze rascher austrocknen. In vielen Fällen ist daher die Installation einer automatischen Bewässerung sinnvoll, vor allem dann, wenn Tröge schwer erreichbar sind oder eine gleichmäßige Wasserversorgung über Trockenphasen hinweg sichergestellt werden muss. Planung, Ausführung und Betrieb der Bewässerung sowie die laufende Pflege sollten sich an den einschlägigen Normen und dem Stand der Technik orientieren und bei komplexeren Situationen im Rahmen einer Fachplanung abgestimmt werden.

Erst wenn Begrünungsziel, Bausubstanz, Standort und Kletterhilfe geklärt sind, kann die Auswahl der geeigneten Kletterpflanzenart beziehungsweise Sorte seriös erfolgen. Zunächst sollte festgelegt werden, welche Funktion die Kletterpflanze erfüllen soll, etwa ob sie eine Fassade begrünen, einen Sichtschutz bilden, eine Pergola überranken oder als blühendes Gestaltungselement im Garten dienen soll. Ebenso wichtig ist die Frage nach dem Platzangebot und der gewünschten Wuchshöhe, weil davon sowohl die Pflanzenwahl als auch die erforderliche Kletterhilfe abhängen. Gestalterische Wünsche wie auffällige Blüten, dekorativer Fruchtschmuck oder eine attraktive Herbstfärbung können in die Entscheidung einfließen, sofern sie mit Standort und Pflegeaufwand vereinbar sind. Auch die Wuchsform und Kletterstrategie, also ob es sich um Selbstklimmer, Schlinger oder Rankpflanzen handelt, beeinflussen nicht nur das spätere Erscheinungsbild, sondern auch die technische Ausführung der Kletterhilfe erheblich.

Nicht zuletzt sollte auch der Blick in die Zukunft berücksichtigt werden: Vor dem Hintergrund des Klimawandels sind besonders an sonnigen, trockenen oder stark versiegelten Standorten robuste und klimaresistente Kletterpflanzen zu bevorzugen, die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Bei der Auswahl ist zudem zu berücksichtigen, dass es regionale Unterschiede in Empfehlungen geben kann und dass naturschutzfachliche Aspekte je nach Bundesland unterschiedlich bewertet werden.

Zur fachgerechten Planung und zur Vermeidung von Schäden an Bauwerken oder Vegetation empfiehlt es sich Fachleute hinzuzuziehen.

Kletterpflanzen werden grundsätzlich in Selbstklimmer und Gerüstkletterpflanzen unterteilt.

Selbstklimmer können mit ihren Haftorganen ohne Kletterhilfe an der Wand hochwachsen. Die Wände müssen unbedingt intakt sein (z.b. keine Risse im Putz), damit keine Schäden entstehen. Glatte Oberflächen, Metall oder Glas eignen sich für Selbstklimmer nicht.
Bei den Selbstklimmern gibt es zwei Kategorien: Haftwurzelkletterer (wie z.B. Efeu) haben spezielle Wurzeln, die sich an der Oberfläche festkrallen, während Wilder Wein Haftscheiben ausbildet.

Grafik: GRÜNSTATTGRAU

Gerüstkletterpflanzen brauchen eine Kletterhilfe, die der Wuchsstrategie der Pflanze angepasst sein muss. Dabei sind materialtechnische Aspekte, geeignete Abstände zur Fassade sowie Befestigung und Wartungszugänglichkeit zu berücksichtigen. Die Ausführung sollte mit dem Fassadenaufbau und den statischen Anforderungen abgestimmt werden. Gewichtsangaben und Gewichtsklassen sind in der Praxis oft schwer vergleichbar, weil sie je nach Wuchsform, Pflegezustand und Quelle stark streuen. Deshalb sollten pauschale Gewichtsangaben nur dann verwendet werden, wenn sie belastbar und nachvollziehbar sind. Ansonsten ist die statische Bemessung durch Fachleute vorzusehen.

Um bei der Fassadenbegrünung auch die Biodiversität zu fördern können folgende Punkte beachtet werden:

  • Heimische Arten bevorzugt einsetzten, da sie besser in die Nahrungskette integriert sind und damit besonders wertvoll für lokale Insekten und andere Tiere sind.
  • Strukturreichtum & Unterschlupfmöglichkeiten: Dichte, verzweigte Pflanzen mit verschiedensten Wuchsformen (Selbstklimmer, Ranker, etc.) bieten Rückzugsorte und Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten. Zusätzlich können auch noch Nistkästen für Vögel und/oder Fledermäuase an die Fassade angebracht werden.
  • Blühangebot über die Saison: Besonders ökologisch wertvoll ist eine Kombination aus Arten, die zu verschiedenen Zeitpunkten blühen (Frühjahr, Sommer und Herbst), damit Bestäuber möglichst lange Nahrung finden. Wenn möglich auf gefüllte Blüten verzichten, da sie kein Futterangebot für Bestäuber darstellen. Gern auch immergrüne Arten einsetzten, da diese auch im Winter wunderbare Verstecke bieten.
  • Früchte und Samen: Wenn möglich Arten mit Frucht- und Samenangebot einplanen, damit Tiere ein Nahrungsangebot vorfinden.
  • Ohne chemisch-synthetische Mittel: diese schaden Bestäubern und stören ökologische Kreisläufe – naturnahe Pflege schützt die Artenvielfalt.
  • Pflege und Schnitt: angepasst an die Pflanzenart – Rückschnitte außerhalb der Brutzeit im Herbst/Winter durchführen.

Brandschutz ist bei Fassadenbegrünungen immer projektspezifisch zu bewerten, weil die tatsächliche Risikolage nicht nur von der Pflanzenart, sondern auch vom Systemaufbau, von der Fassadenbauart, vom Pflegezustand, vom Feuchtehaushalt und von Abständen zu Öffnungen (z.B.: Fenstern) oder technischen Bauteilen abhängt. Daher wird auf eine fachplanerische Abstimmung und ein Pflegekonzept verwiesen, weil die Einhaltung brandschutztechnischer Vorgaben in der Praxis wesentlich von fachgerechter Ausführung und laufender Pflege abhängt.

Für Planung, Ausschreibung, Ausführung sowie Pflege und Betrieb von Vertikalbegrünungen sind einschlägige Regelwerke und Normen heranzuziehen. In der Praxis werden die ÖNORM B 2110 „Allgemeine Vertragsbestimmungen für Bauleistungen“ und die ÖNORM B 2241 „Gartengestaltung und Landschaftsbau “ als vertragliche Grundlage angewendet. Einschlägige Normen wie die ÖNORM B 1131 „Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken – Anforderungen an Planung, Ausführung und Erhaltung“, die ÖNORM L 1136 „Vertikalbegrünung im Außenraum – Anforderungen an Planung, Ausführung, Pflege und Kontrolle“ sowie die ÖNORM L 1112 „Bewässerung von öffentlichen und privaten Vegetationsflächen im Freien “ sind zur berücksichtigen. Diese Normen bilden den Stand der Technik ab und sollten daher projektbezogen geprüft und durch die zuständige Fachplanung in die Umsetzung einbezogen werden.

Gemeinsam für ein gesundes Morgen.